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Gedanken zur Jahreslosung 2021 von  Thomas Käßner, Inspektor des Gemeinschaftsverbandes Sachsen-Anhalt

 

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! (Lukas 6,36)

 

Bei diesem Satz müsste jeder betroffen zusammenzucken. Denn der Richtgeist ist weit verbreitet. Luther nennt ihn eine „Teufelsbraut“. Barmherzigkeit dagegen findet man eher selten. Unsere Vorfahren, die alten Germanen, hatten nicht einmal ein Wort dafür. Bei ihnen galten andere „Tugenden“. „Hart sein und ein Hasser“ war das Ideal. So jedenfalls lesen wir es im Nibelungenlied.

 

Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, die Herrschaft des Richtgeistes zu brechen? War Jesus so gutgläubig, dass er seinen Jüngern zutraute, diese böse Wurzel selbst auszureißen?

Nein, war er nicht. Jesus wusste, dass wir nur barmherzig sein können, wenn wir zuvor die große Barmherzigkeit Gottes erfahren haben.

Sehr eindrücklich erzählt Jesus davon in der Geschichte eines Vaters und seiner zwei Söhne. Der Jüngere Sohn lässt sich das Erbe auszahlen und sucht die große Freiheit. Doch sein Plan scheitert grandios. Er verliert sein Vermögen und muss sich einen Job als Schweinehirt suchen. Ganz unten angekommen, zieht es ihn wieder nach Hause zum Vater. Er hofft, als Tagelöhner aufgenommen zu werden. Doch der Vater läuft ihm entgegen und schließt ihn in die Arme.

 

 „So ist Gott“, will uns Jesus damit sagen. Er ist der barmherzige Vater. Ihm ging es zu Herzen, dass der Sohn seine eigenen Wege ging. Es ging ihm durch und durch, wenn er an ihn dachte.

Der ältere Sohn ist nicht erfreut, als sein Bruder wieder auftaucht. Gnadenlos zieht er über die „Schweinereien“ seines Bruders her. Barmherzigkeit vom Vater brauchte er nicht. Er hatte sich ja schließlich nichts zu Schulden kommen lassen. Auffällig ist, dass der jüngere Sohn kein Wort über die unfreundliche Begrüßung durch seinen Bruder verliert. Jesus sagt nichts dazu in seiner Geschichte. Aber vielleicht darf man doch daraus schließen, dass erfahrene Barmherzigkeit großzügig im Umgang mit schwierigen und lieblosen Menschen macht.

 

Nun wird uns dieses Jesuswort ein Jahr lang als Leitsatz begleiten. Ich bin sehr gespannt, welche Erfahrungen wir damit im Alltag machen werden. Wird es uns, unsere Gemeinschaften, unsere Gesellschaft verändern?

 

 

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