LKG Lutherstadt Wittenberg e.V.- Gemeinschaftsverband Sachsen-Anhalt- GVSA- EC

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Unerhört

 

„Wenn Gott die Orgel spielen will, dann muss der Teufel denBlasebalg treten“, sagt ein altes Wort. Der Teufel hat aber eigentlich ganzandere Gedanken. Er möchte die Orgel am liebsten kurz und klein trampeln, damitdas Gotteslob endlich schweigt. Aber mit all seinem Getrampel muss er letztlichdoch den Blasebalg füllen und Gott zieht alle Register, damit es tönt „AlleinGott in der Höh sei Ehr“.

Diese Erkenntnis fällt Menschen nicht einfach in den Schoß.In Leid und Anfechtung will sie errungen und erbeten sein. Auch Paulus wolltesich nicht einfach mit schmerzhaften Behinderungen und teuflischen Anschlägenzufrieden gebeten. Dreimal hat er Gott um Hilfe gebeten. Zweimal bleibt seinGebet unerhört. Erst beim dritten Mal bekommt er eine Antwort auf sein Gebet –eine Antwort, die er so eigentlich nicht gesucht hat. Ist das nicht im wahrstensinne des Wortes unerhört? Paulus ging es doch nicht darum, ein möglichst problemlosesLeben zu führen. Er wollte fit sein, um das Evangelium zu verkündigen. SeineLeiden waren auch nicht gerade eine Werbung für das Evangelium. „Nur in einemgesunden Körper wohnt auch ein gesunder Geist“, sagten die Griechen und „Leidist Strafe von Gott“ glaubten die Juden. So ein ramponierter Bote steht dochder Ausbreitung der Botschaft nur im Wege.

Aber Jesus sieht das ganz anders! Durch schwache Menschenwirkt der starke Herr, so sieht Jesus das. Wie gesagt, diese Erkenntnis fälltMenschen nicht einfach in den Schoß. Auch wir wollen gerne stark und gesundsein. Wir sollten Gott täglich dafür danken, wenn er es uns diesen Wunscherfüllt. Aber es kann auch ganz anders sein. Gott kann auch so manche schwereLast in unser Leben legen. Dann will er uns durch die Jahreslosung 2012 eineneue und große Perspektive eröffnen. Gott baut sein Reich mit und durchschwache und angefochtene Menschen. Als Paulus diese Antwort annehmen konnte,fasst er einen (unerhörten) Entschluss: „Darum will ich mich am allerliebstenrühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne.“

Ich finde, dass diese Jahreslosung ein unerhörter Zuspruchund eine unerhörte Zumutung zugleich ist. Wir werden es mit ihr nicht nureinfach haben. Davon bin ich fest überzeugt.

 

Thomas Käßner